Lebenswelten 2025 | Vorarlberg

Projektkoordination und wissenschaftliche Leitung: PH Vorarlberg
Partner:innen: Landesstelle für Statistik (Sample)
Projektdauer: 04/2023 – 05/2026
Projektteam PHV: Martina Ott (Projektleitung), Gudrun Quenzel, Katharina Meusburger, Elisa Lehnerer
Auftraggeber | gefördert von: Land Vorarlberg, Abt. Gesellschaft, Soziales und Integration, FB Jugend und Familie

Ergebnisse:
Diskurs. Fachmagazin Jugendarbeit 
Bericht: Lebenswelten 2025. Einstellungen und Werte junger Menschen in Vorarlberg
Statistischer Band

Optimistischer Blick in die persönliche Zukunft
Trotz globaler Krisen und gesellschaftlicher Unsicherheiten blicken die meisten Jugendlichen in Vorarlberg optimistisch in ihre persönliche Zukunft. 46 % der Jugendlichen sehen ihre eigene Zukunft völlig, weitere 43 % eher positiv. Die Zukunft der Gesellschaft sieht hingegen nur ein gutes Drittel der in Vorarlberg lebenden Jugendlichen sehr oder eher zuversichtlich (34 %).

Psychosomatische Beschwerden steigen
Das psychische und körperliche Wohlbefinden hat sich in den letzten zehn Jahren bei jungen Menschen in Vorarlberg verschlechtert. Bei der Erhebung im Jahr 2016 hatten noch fast zwei Drittel der jungen Menschen ein hohes psychisches Wohlbefinden (65 %), im Jahr 2020 waren dies 58 % und im Jahr 2025 nurmehr 56 %. Der Anteil der Jugendlichen, die von häufigen körperlichen und psychosomatischen Beschwerden berichten, ist in den letzten Jahren von 3 % auf 10 % gestiegen. Bei jungen Frauen – die bereits 2016 verstärkt betroffen waren – haben die Beschwerden besonders stark zugenommen.

Wertewandel
Jugendlichen in Vorarlberg sind gute Beziehungen (98 %) und die Unterstützung von Freund:innen (96 %) sehr oder eher wichtig. Auch eine gute Ausbildung zu absolvieren, ist nahezu allen Jugendlichen wichtig (96 %). Lebensfreude (95 %), Eigenverantwortlichkeit (94 %), Abwechslung (90 %) sowie Fleiß und Ehrgeiz (89 %) sind ebenfalls für viele erstrebenswert, gefolgt von einem hohen Lebensstandard (86 %) und Unabhängigkeit (84 %).
Im Vergleich zu 2016 zeigt sich eine leichte Werteverschiebung: Materialistische Werte wie der Wunsch nach einem hohen Lebensstandard, Macht und Sicherheit haben an Bedeutung gewonnen. Ebenso ist die Bedeutung von politischem Engagement gestiegen. Umweltbewusstes Handeln und die Unterstützung von Benachteiligten haben nach einer Zunahme bei der Erhebung 2020 hingegen wieder an Bedeutung verloren.

Hohe Zufriedenheit mit dem Freundeskreis
Für eine klare Mehrheit der Jugendlichen sind Freundschaften eine Quelle der Zufriedenheit: 81 % geben an, sehr oder ziemlich zufrieden mit ihrem Freundeskreis zu sein. Freund:innen sind auch die wichtigsten Ansprechpartner:innen bei Problemen. Gut drei Viertel (78 %) der Jugendlichen besprechen ihre Sorgen mit ihnen, mit der Familie tun dies knapp zwei Drittel (65 %). Jede:r zehnte Jugendliche (10 %) gibt aber auch an, niemanden zum Reden zu haben.

Erwartungen an den Beruf: Sicherheit und Vereinbarkeit
Bei der Frage, was die zukünftige Berufstätigkeit zufriedenstellend macht, stehen drei Aspekte klar im Vordergrund: So ist ein sicherer Arbeitsplatz (74 %) sehr wichtig, aber auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (65 %) sowie genügend Freizeit neben dem Beruf (64 %).

Jugendlichen geht es überwiegend gut in der Schule; ein Teil fühlt sich aber belastet
65 % der jungen Menschen haben eine positive Einstellung zur Schule. Gleichzeitig macht sich mehr als die Hälfte (55 %) häufig Sorgen wegen der Schule. Weibliche Jugendliche (66 %) machen sich mehr schulische Sorgen als männliche Jugendliche (42 %). Die Schulsorgen manifestieren sich mitunter körperlich.

Der Unterricht wird mehrheitlich positiv bewertet
Die meisten Jugendlichen in Vorarlberg (72 %) erleben ihren Unterricht als gut strukturiert und störungsarm, was für eine gelungene Klassenführung spricht. Ebenfalls berichten 73 % von einer hohen kognitiven Aktivierung im Unterricht. Sie fühlen sich im Unterricht intellektuell gefordert und geben an, dass Lehrkräfte herausfordernde Fragen stellen oder Aufgaben geben, über die sie gründlich nachdenken müssen.

Hohe Einigkeit, sich für ein erfolgreiches Leben anzustrengen
Eine überwiegende Mehrheit der Jugendlichen in Vorarlberg ist vom Versprechen der Leistungsgesellschaft überzeugt, also durch persönliche Leistungsbereitschaft ein erfolgreiches Leben haben zu können. Eine gute Ausbildung zu haben (97 %) und hart zu arbeiten (81 %), sieht eine überwiegende Mehrheit der Jugendlichen für ein erfolgreiches Leben wichtig an.

Sinkende Demokratiezufriedenheit, steigendes Politikinteresse
Die Jugendlichen in Vorarlberg sind 2025 mit der Demokratie deutlich weniger zufrieden als zu den früheren Erhebungszeitpunkten 2016 und 2020. Waren 2016 noch 63 % der Jugendlichen und 2020 noch 67 % sehr oder ziemlich zufrieden damit, wie die Demokratie in Österreich funktioniert, sind es 2025 nur mehr 45 %.
Das Interesse an Politik ist deutlich höher als 2016. Während 2016 39 % der Jugendlichen stark oder etwas interessiert an Politik waren, geben dies in den Jahren 2020 und 2025 jeweils 45 % der Jugendlichen an.

Hohe Zustimmung zu demokratischen Grundwerten
Zu den demokratischen Grundwerten bekennt sich die große Mehrheit der Jugendlichen. So finden es 78 % wichtig, Kompromisse einzugehen, auch wenn man sich im Recht fühlt. 76 % stimmen der Aussage zu, dass die regelmäßige Teilnahme an Wahlen eine Bürger:innenpflicht ist. Mehrheitlich befürworten die Jugendlichen zudem (81%), dass jüngere Menschen mehr zu sagen haben sollten. Viele glauben nicht, dass Politiker:innen sich darum kümmern, was Leute wie sie denken (72%). Besonders ausgeprägt ist das Gefühl, nicht gehört zu werden, bei Jugendlichen aus sozioökonomisch unterprivilegierten Verhältnissen.

Mehrsprachigkeit ist gewünscht
Sprachliche Vielfalt ist im Alltag vieler Jugendlicher präsent. 30 % verwenden zu Hause Deutsch und mindestens eine weitere Sprache, 8 % ausschließlich eine oder mehrere andere Sprachen als Deutsch. Von den Jugendlichen selbst wird Mehrsprachigkeit äußerst positiv bewertet. 90 % von ihnen stimmen zu, dass ihnen Mehrsprachigkeit später im Leben nützlich sein wird, 77 % geben an, im Verlauf ihres Lebens weitere Sprachen lernen zu wollen.

Bei der Studie Lebenswelten 2025 handelt es sich um eine repräsentative, standardisierte Onlinebefragung von Schüler:innen der 8. bis 12. Schulstufe, aller Schultypen mit Ausnahme der Sonderschulen. Die Erhebung wurde im März und April 2025 an Schulen in Vorarlberg durchgeführt. Die realisierte Stichprobe umfasst Antworten von 1.427 Schüler:innen aus 92 Klassen. Die Daten wurden für die Analyse nach Schultyp und Geschlecht gewichtet. Die Studie knüpft an frühere Erhebung an und ermöglicht somit Einblicke in Veränderungen. Da bisher nur Schüler:innen der 8. bis 10. Schulstufe befragt wurden, werden für den Vergleich aus der Stichprobe 2025 ebenfalls nur die Antworten der Schüler:innen der 8. bis 10. Schulstufe herangezogen.

Informationen zur Jugendstudie Lebenswelten 2025

Pädagogische Hochschule Vorarlberg
lebenswelten(at)phvbg.at